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Rind, die 7.

Studie von Rind et al, 7. Teil
Diskussion
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Diskussion

Es stellte sich heraus, dass im Gegensatz zu den 4 populären Vermutungen über Kindesmissbrauch, die oben vorgestellt wurden, in der Metaanalyse folgendes festgestellt werden konnte:

14% der männlichen und 27% der weiblichen Befragten äußerten Erfahrungen mit Kindesmissbrauch.

1. Es konnte ein schwacher statistischer Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Symptomen festgestellt werden, der allerdings nur 1% Varianz erklärte. Selbst dieser schwache Zusammenhang erwies sich als nichtsignifikant, wenn man Drittvariablen in die Analyse mit einbezieht wie die familiäre Situation. Nicht nur erwies sich der Zusammenhang zwischen Familiensituation und psychischen Problemen stärker als zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Problemen, sondern der letztere statistische Zusammenhang verschwand vollständig (= wurde nichtsignifikant), sobald die familiäre Situation konstant gehalten wurde.
2. Andauernde psychische Probleme aufgrund des Kindesmissbrauchs konnten nicht festgestellt werden, so dass Kindesmissbrauch offenbar einen sehr geringen Grad von Effektivität aufweist.
3. Dasselbe gilt für die Intensität.
4. Zwischen Männern und Frauen ergaben sich insbesondere bei den subjektiven Einschätzungen erhebliche Unterschiede.

Diese Befunde basieren auf Massendaten, bedeuten aber keineswegs, dass sie auch für Einzelfälle Geltung haben. Im Einzelfall mag Kindesmissbrauch tatsächlich eine starke negative Auswirkung haben; diese Vermutung widerspricht dieser Metaanalyse nicht.


Geschlechtsunterschiede

In der retrospektiven Sicht empfanden Jungen den Kindesmissbrauch im Durchschnitt als angenehmer als Mädchen. Dieses Muster ist typisch bei verschiedenen sexuellen Aktivitäten von Jungen und Mädchen, zB wenn es um den ersten Geschlechtsverkehr geht, der in Berichten von Mädchen ebenfalls weitaus negativer gesehen wird als in Berichten von Jungen. Jungen erleben Kindesmissbrauch eher als Vergnügen, Abenteuer und Neugierde, während Mädchen dasselbe Ereignisse angstvoll, verwirrend und als Verlegenheit schilderten. Solche Unterschiede beruhen teilweise auf biologischen Unterschieden, aber auch auf unterschiedliche soziale Geschlechtsrollen. Den Kindesmissbrauch betreffend, gibt es allerdings auch verschiedene Formen, die bei Jungen und Mädchen typischerweise auftauchen:

- Mädchen werden häufiger innerhalb des engsten Familienkreises missbraucht (Vater, Onkel etc)
- sie sind beim 1. Kontakt jünger als die Jungen
- die Anwendung von Zwang geschieht bei Mädchen häufiger.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden allerdings, wenn man nur nicht-einvernehmlichen Kindesmissbrauch in Betracht zieht, während sie bei einvernehmlichem Sex prononciert auftreten.


Kausalität

Es zeigten sich Abhängigkeiten zwischen Kindesmissbrauch und familiärer Situation, so dass die statistische Kontrolle der Familiensituation dazu führte, eine Beziehung zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Symptomen statistisch zufällig zu machen.

An einer solchen Begründung wurde Kritik von Briere geübt. Die Messung des familiären Umfelds kann nicht-reliabel sein, die Stichprobengröße zu klein, der kausale Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und familiärer Situation unbekannt, die Schwere des Missbrauchs unterrepräsentiert. Die Autoren argumentieren dagegen.

1. der Zusammenhang zwischen familiärer Situation und psychischen Symptomen erwies sich als reliabel.
2. Die Stichproben waren ausreichend groß.
3. In einer Studie von Ageton (1988) wurde gezeigt, dass die Familienprobleme dem Kindesmissbrauch vorausgehen, nicht umgekehrt. Burnam et al (1988) fanden, dass die psychischen Probleme der missbrauchten Kinder vor dem Kindesmissbrauch genauso stark waren wie danach. Bei inzestuösem Kindesmissbrauch kann jedoch die Kausalrichtung auch umgekehrt sein, da sie familiäre Dysfunktionen fördert; bei außerfamilialem Kindesmissbrauch ist der kausale Weg zumeist so, dass die Kinder einem Kindesmissbrauch eher ausgesetzt sind.
In klinischen Studien mit hohem Anteil von inzestuösem Kindesmissbrauch ist die Kausalrichtung daher schwierig zu beurteilen; weniger in der vorliegenden Metastudie, denn der Anteil des inzestuösen Kindesmissbrauchs lag gerade bei 16% aller Kindesmissbrauchsfälle, Geschwisterinzest mit eingeschlossen.
4. Schwere Missbrauchsfälle waren nicht unterrepräsentiert, wie Vergleiche mit Stichproben aus nationalen Untersuchungen zeigen.

Jedoch ist bei der Interpretation der statistischen Kontrolle Vorsicht angebracht:
- eine bestimmte Gruppe von Studenten berichtete durchaus von schweren Verletzungen durch den Kindesmissbrauch
- verschiedene Symptome standen durchaus in signifikanter Beziehung mit Kindesmissbrauch - auch nach der statistischen Kontrolle durch die Familiensituation
- Im Falle nicht-einvernehmlichen sexuellen Kontakts berichteten auch männliche Opfer über psychische Symptome.

Trotz dieser Einschränkungen muss gesagt werden: die Behauptung, Kindesmissbrauch produziere im allgemeinen schweren psychischen Schaden, ist nicht gerechtfertigt.

In einer Studie von Eckenrode et al (1993) wurde festgestellt: „Sie fanden, dass die Art des Missbrauchs, die am stärksten mit psychischen Problemen korrelierten, körperlicher Missbrauch, Vernachlässigigung und sprachlicher Missbrauch war. In den ersten 10 schlimmsten Kombinationen kommt der verbale Missbrauch 7mal vor, physische Vernachlässigung 6mal, physischer Missbrauch und emotionale Vernachlässigung 5mal, wogegen Kindesmissbrauch nur einmal erschien.“


Moderatorvariablen

Multiple Regression zeigte, dass das Verhältnis Kindesmissbrauch und psychischen Symptomen sich unterschied durch

- Geschlecht
- Grad der Einvernehmlichkeit
- und der Interaktion dieser beiden Faktoren.

Hingegen hatte die Art des sexuellen Kontakts keine Auswirkungen; auch bei intensivem sexuellen Kontakt ergaben sich keine andere Auswirkungen als ohne Kontakt. Dass Geschlechtsverkehr schädigt, wird auch von Finkelhor (1979) als gesellschaftliches Vorurteil angesehen.

Weitere Moderatorvariablen waren Gewaltanwendung, sobald die berichteten Reaktionen betroffen sind.
23.3.06 07:13
 


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