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Rind, die 6.

Studie von Rind et al, 6. Teil
Familiäres Umfeld
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Familiäres Umfeld

Um den familiären Hintergrund als Moderatorvariable zu erfassen, wurden in denjenigen Studien, die überhaupt Daten hierzu erfassten, folgende 6 Kategorien erstellt und deren Ausmaß gemessen:

1. Ausmaß von nichtsexuellem Missbrauch und Vernachlässigung in der Familie
2. Anpassungsfähigkeit
3. Ausmaß von Konflikten in der Familie
4. Familienstruktur
5. Unterstützung und Einbindung
6. Grad des Traditionalismus

Alle Kategorien wiesen eine signifikante Effektstärke zum Kindesmissbrauch auf:

Nichtsexueller Missbrauch ______ .19
Anpassungsfähigkeit __________ .13
Ausmaß von Konflikten _________ .14
Familienstruktur _____________ .09
Unterstützung und Einbindung __ .13
Grad des Traditionalismus ______ .16

mit einer mittleren Effektstärke von r=.13. Diese Daten legen nahe, dass Kindesmissbrauch und schwierige Familienverhältnisse verknüpft sind, so dass man davon ausgehen muss, dass auch Familienhintergrund und Kindesmissbrauch verknüpft sind.

Um den Einfluss der familiären Situation auf die psychische Symptomatik zu erforschen, wurden alle Einzelsymptome mit den Kategorien des familiären Umfelds korreliert. Es ergaben sich Effektstärken von r=.04 bis .49; die meisten dieser Effektstärken waren höher als diejenigen zwischen Kindesmissbrauch und den psychischen Symptomen. Nimmt man die Varianzerklärung als Maß (Quadrat des Korrelationskoeffizienten), dann erklärt der familiäre Hintergrund 9 mal mehr Varianz der psychischen Symptome als der Kindesmissbrauch. Wegen der Heterogenität der Messung der familiären Situation muss diese Interpretation allerdings mit Vorsicht betrachtet werden.

Die Ergebnisse legen den Verdacht nahe, dass das familiäre Umfeld der eigentliche Erklärungsfaktor für die psychischen Auffälligkeiten darstellt und nicht der Kindesmissbrauch, so dass es möglich ist, dass die statistische Verknüpfung von Kindesmissbrauch und psychischen Problemen nichtsignifikant wird, sobald man diese Variablen mit einbezieht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dass eine signifikante statistische Korrelation zwischen 2 Variablen nichtsignifikant werden kann:

1. die unabhängige Variable (hier: Kindesmissbrauch) ist real oder begriffliche verknüpft mit der abhängigen (hier: die psychischen Symptome), d.h. es gibt nicht bloß eine kausale Beziehung zwischen beiden Variablen, sondern eine innerliche [zB Höhe des Einkommens – Höhe der Steuerzahlungen]
2. die unabhängige Variable ist mit einer dritten Variable verknüpft (hier: Kindesmissbrauch mit Familiensituation)
3. die Drittvariable ist verknüpft mit der abhängigen Variablen (hier: psychische Symptome)
4. die Drittvariable ist mit abhängiger und unabhängiger Variablen verknüpft, so dass ihre statistische Kontrolle die ursprüngliche statistische Beziehung zunichte macht.

[Einschub von mir: ein berühmtes Beispiel ist die statistische Korrelation der Anzahl der Störche und der Geburtenhäufigkeit. Tatsächlich ging die Zahl der Störche in der BRD zurück sowie im selben Zeitraum die Zahl der Neugeborenen, und dieser Zusammenhang ist signifikant. Tatsächlich ist für diesen Zusammenhang die wirtschaftliche Entwicklung ausschlaggebend, die sowohl die Lebensräume der Störche vermindert als auch die Geburtenrate reduziert.]

Die Bedingungen 1-3 sind offenbar erfüllt; um herauszufinden, ob auch Bedingung 4 erfüllt ist, wurden diejenigen Studien herangezogen, die eine statistische Kontrolle erlauben. Von 83 Beziehungen zwischen psychischen Symptomen und Kindesmissbrauch waren 34 (41%) ohne statistische Kontrolle signifikant, nach der statistischen Kontrolle jedoch nur noch 14 (17%). Statistische Kontrolle wurde mittels hierarchischer Regressionsanalyse bzw multivariate Kovarianzanalyse durchgeführt. Diese Reduktion wird stärker, wenn man die Effekte auf Einzelsymptome und nicht auf die Gesamtsymptomatik berechnet, denn die einzelnen Symptome darin sind eng miteinander verknüpft. Gemäß dieser Vorgabe sank der signifikante Anteil um 83% bei Kontrolle der familiären Situation.

Die Autoren schreiben:
„Obwohl weder die Resultate der Analysen der statistischen Kontrolle, noch die Analysen der Relation Kindesmissbrauch – Familiäres Umfeld beweisen, dass der Einfluss des Kindesmissbrauchs auf die psychische Symptomatik vernachlässigbar sind, unterstützen sie nicht die Annahme, dass es eine grundlegende Eigenschaft des Kindesmissbrauchs ist, psychische Verletzungen hervorzurufen.“ (p42)


Statistische Validität und Reliabilität

Test-Retest-Reliabilitäten der Messung von Kindesmissbrauch bzw. familiärem Umfeld betrug bei 2-4 Wochen zwischen 90-97%. D.h. die Angaben der Personen blieben so gut wie konstant innerhalb dieses Zeitraums.

Die Validität einer Regressionsanalyse bei Variablen, die nur dichotom verteilt sind (zB Kindesmissbrauch bestand / bestand nicht) ist fragwürdig. Allerdings kam qualitativ dasselbe Resultat heraus bei Studien, die Kindesmissbrauch sowie familiäre Missbrauchsfaktoren in mehren Intensitätsgraden erfassten (Cole 1988, Wisniewski 1990).

Aus diesen und einigen anderen Validitätsmaßen (bezüglich Schiefheit der Verteilung zwischen Kindesmissbrauch und Nicht-Kindesmissbrauch, geringer Anteil etc) folgern die Autoren, dass die Messungen der Faktoren statistisch valide und reliabel sind.
22.3.06 07:50
 


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