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Rind. die 5.

Studie von Rind et al, 5. Teil
Andere Einflussfaktoren
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Einflüsse von Drittvariablen

Der Einfluss von moderierenden Variablen wurde mittels multipler Regression auf Stichproben-Ebene berechnet. [Anm von mir: Moderierende Variablen sind solche, die einen Zusammenhang zwischen zwei einer unabhängigen und abhängigen Variablen beeinflussen. Multiple Regression bedeutet, dass man mehrere Variablen in der Korrelation benutzt und berechnet, welchen Einfluss eine einzelne Variable im Gesamtbereich hat, so dass man Interaktionen zwischen den Variablen herauszurechnen versucht. Solche Verfahren sind nicht ganz unproblematisch, aber sehr verbreitet. Sie versagen bei kleinen Fallzahlen, in dieser Metastudie allerdings ist die Fallzahl ausreichend hoch.]

Zunächst wurden drei Moderatorvariablen herangezogen:
1. Art des sexuellen Kontakts (mit / ohne Berührung)
2. Grad der Einwilligung
3. Geschlecht

Es stellten sich 3 signifikante Prädiktoren heraus (5%-signifikant):
1. Einwilligung
2. Geschlecht
3. Interaktion von Einwilligung und Geschlecht

D.h. nicht nur der Grad der Einwilligung und das Geschlecht allein beeinflussen die Stärke des Zusammenhangs von psychischer Symptomatik und Kindesmissbrauch, sondern auch ein aus Einwilligung und Geschlecht zusammengesetzter Faktor. Die Art des sexuellen Kontakts wies keinen signifikanten Einfluss auf.

Es wurde eine Kontrastanalyse durchgeführt, um die Einflüsse der einfachen Prädiktoren (= Variablen, die etwas erklären) gegenüber der Interaktion dieser Faktoren zu bestimmen. Bezüglich der einfachen Prädiktoren Geschlecht bzw. Einwilligung ergab die Kontrastanalyse keine signifikanten Unterschiede, d.h. jede einzelne Variable hat keinen moderierenden Einfluss auf die Beziehung zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Auffälligkeiten. In der Tat ergab sich aber ein einflussreicher Effekt in der Interaktion beider Variablen: Während bei Männern der Grad der Einwilligung einen Einfluss hatte, fehlt dieser Einfluss bei Frauen. D.h. die Interaktion bedeutet hier: die Beziehung Kindesmissbrauch - Symptomatik wird dann relativ stark, wenn die Einwilligung fehlt, aber nur bei Männern; bei Frauen (Mädchen zur Zeit des Missbrauchs) ist der Grad der Einwilligung ziemlich gleichgültig für die psychischen Folgen. Es zeigte sich überdies, dass es bei Männern erst dann signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe (kein Kindesmissbrauch) gibt, sofern Kindesmissbrauch ohne Einwillligung der Person geschah.

Weitere zusätzliche Drittvariablen wurden untersucht, die jedoch keinen signifikanten Einfluss aufwiesen: wie etwa das Studienfach der Befragten, das Alter der Personen beim ersten Kontakt, das Alter der Befragten.

Eine weitere Moderatorvariable, die auf die psychische Symptomatik wirkte, war das Ausmaß von Gewalt, insbesondere beim Inzest. Jedoch wurden solche Zusammenhänge nur von wenigen Studien bereitgestellt, so dass allgemeine Aussagen innerhalb der Metastudie darüber nicht getroffen werden konnten.


Selbstberichtete Bewertungen des Kindesmissbrauch

Einige Studien stellten zu den Daten über tatsächliche psychische Folgen auch Daten über subjektive Bewertungen der Personen zur Verfügung, und zwar als Erinnerungsberichte über die unmittelbaren Reaktionen nach dem Kindesmissbrauch. Es wurden positive, neutrale und negative Bewertungen unterschieden.

___________Frauen_______Männer
positiv _____ 11% ________ 37%
neutral ____ 18% _________ 29%
negativ ____ 72% _________ 33%


Die subjektive Bewertung unmittelbar nach der sexuellen Handlung (allerdings in der Retrospektive) zwischen Frauen und Männern differiert also erheblich: Bei Männern (Jungen) überwiegend positiv bzw neutral, bei Frauen (Mädchen) eher negativ, obwohl auch hier 28% positiv bzw neutrale Einschätzungen zu Protokoll gaben. Dieses Muster wiederholt sich bei Einschätzungen über spätere Wirkungen des Kindesmissbrauchs, d.h. die subjektive Einschätzung der Situation, wie sie objektiv durch die verschiedenen Skalen getestet worden war. Hier gab es Berichte über "Stress im Leben", "sich in Schwierigkeiten befinden", "sich von den Schäden des emotionalen Entwicklung erholen". Männer sahen nahezu keine negativen Effekte auf ihr Sexualleben (je nach Studie zwischen 0.4%-16% bei 8% mittlerer Wert), Frauen bewerteten diese Effekte dagegen etwas stärker (2.2%-24% bei 13% mittlerer Wert), jedoch waren auch bei ihnen die negativen berichteten Folgen in der Minderzahl. In einer Studie waren es 5% der Personen, die über eine starke andauernde Beeinträchtigung ihres Lebens berichteten. Angesprochen auf retrospektive temporäre Schwierigkeiten berichteten eine größere Anzahl Frauen negative Erfahrungen als in ihrer gegenwärtigen Situation (2/3).

Man muss in diesen Selbsteinschätzungen also unterscheiden zwischen
1. Berichten, die sich auf die Situation unmittelbar nach dem Missbrauch beziehen, hier unterscheiden sich Männer und Frauen stark in der Selbsteinschätzung
2. Berichten, die sich auf Schäden in der emotionalen Entwicklung beziehen, hier wurden nur sehr wenig negative Einschätzungen gefunden, sowohl bei Männer wie bei Frauen
3. dann Berichten, die sich bleibende Schäden beziehen, auch hier findet man nur sehr wenige negative Selbsteinschätzungen
4. und schließlich Berichten, die sich auf momentane, aber vorübergehende Schäden beziehen (hier berichten 2/3 der Frauen über Schäden).

Die Autoren schreiben [eigene Übersetzung]: "Diese Daten implizieren, dass in der College-Population (a) der Kindesmissbrauch die Geschlechter unterschiedlich beeinträchtigt; (b) bleibende Schäden stechen nicht hervor; und (c) wenn negative Effekte auftreten, sind sie oft vorübergehend, was bedeutet, dass sie häufig sind, nicht aber intensiv. Diese Befunde sind inkonsistent mit der Annahme, das der Kindesmissbrauch unabhängig vom Geschlecht wirkt, und dass er intensiv ist in Hinsicht auf schädliche Effekte." (p38)

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bei berichteten Reaktionen unmittelbar nach dem Kindesmissbrauch, berichteten retrospektiven Reaktionen und vermuteten längerfristigen Effekten des Kindesmissbrauch zeigten sich auch in der Metaanalyse mit Effektstärken von .31, .34 und .22; alle auf dem 5%-Niveau signifikant.
21.3.06 09:53
 


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