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Rind, die 4.

Studie von Rind et al, 4. Teil
Aktuelle Metastudie, Grundauszählungen
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Aktuelle Untersuchung

In der vorliegenden Metaanalyse wurden College-Stichproben verwendet, da sie die meisten nichtklinischen Daten zur Verfügung stellen, außerdem Daten über Drittvariablen liefern .

Es mag Kritik an College-Stichproben geben:
Die Befragten sind zu jung, um Symptome zu entwickeln, und die Befragten haben mehr Möglichkeiten, mit Symptomen fertig zu werden (weil akademisch gebiledet).
Gegenargument hierzu:
(a) Nach Neumann et al (1996) unterschieden sich Ältere und Jüngere nicht, was Kindesmissbrauch betrifft.
(b) Effektstärken von College-Samples waren gleich denen der Landes-Population.

[Kritikpunkt von mir: Auch wenn das zutreffen mag, so ist doch die College-Population eine andere als die allgemeine Bevölkerung, selbst wenn in den USA die Mehrzahl der Jugendlichen irgendwann mal auch aufs College geht.]


Datenmaterial

Zum Datenmaterial s. 28 im Manuskript; Daten wurden erhoben zwischen 1965-1995. Es mussten Collegedaten enthalten sein mit Kindesmissbrauch-Erfahrung und mit Kontrollgruppen ohne Kindesmissbrauch-Erfahrung. Es mussten Daten vorliegen zu den verschiedenen Symptomgruppen.

Methodik: Um Effektgrößen vergleichbar zu machen, wurden verschiedene Messverfahren (zB Depressionsskala) mittels Fisher's Z transformiert. Die Effektstärke wurde auf jedes einzelne Symptom berechnet, außerdem noch für jede Studie einzeln. Dann wurde einmal eine durchschnittliche Effektstärke über eine Stichprobe berechnet, zum zweiten eine Metaanalyse über die verschiedensten Stichproben zu einem Symptom.

So erhielt man 59 Studien, darunter 23 unveröffentlichte, mit 70 unabhängigen Stichproben; damit konnte man 214 symptombezogene Effektstärken gewinnen. Damit standen zur Berechnung von symptonspezifischen Effektstärken 15824 Personen zur Verfügung; zur Berechnung von Intensitätsmaßen 35703 Personen.

[Anm von mir: Also eine recht große Anzahl. Bei solchen Anzahlen erhält man fast alle Zusammenhänge signifikant!]

Folgend einzelne psychische Symptome, statistisch gesehen Variablen, die zum Kindesmissbrauch korreliert werden konnten:

1. Alkoholprobleme
2. Angst
3. Depression
4. Dissoziative Erfahrungen
5. Essstörungen (Bullimie)
6. Feindlichkeit
7. Interpersonale Empfindlichkeit
8. Kontrollverlust
9. Besessenheitsvorstellungen
10. Paranoia
11. Phobien
12. Psychosen
13. Selbstachtung
14. Sexuelle Selbstachtung
15. Interpersonale Probleme und soziale Anpassung
16. Somatische Beschwerden
17. Selbstmordabsichten
18. Allgemeines Wohlbefinden

Die quantitative Metaanalyse wurde über eine gewichtete Fisher-Z-Transformation (mit N-3 Freiheitsgraden) bewerkstelligt, so dass man als Vergleichsmaß die unverzerrte geschätzte Effektstärke r(u) gewann; getestet wurde auf dem 5%-Signifikanzniveau. Gleichzeitig wurden alle statistischen Analysen von zwei Forschern unabhängig voneinander durchgeführt (Rind und Tromovitch), um subjektive Ratings-Verzerrungen auszuschalten. [Anm von mir: Tatsächlich ist es so, dass verschiedene Kodierer oft zu verschiedenen Ergebnissen kommen.]


Definition des Kindesmissbrauchs

Die herangezogenen Studien definierten Kindesmissbrauch sehr unterschiedlich: die meisten gingen von einer erheblichen Altersdifferenz (die meisten mehr als 5 Jahre Unterschied) aus. Dabei unterschieden nur wenige einvernehmlichen und nichteinvernehmlichen Sex (letzteres nur bei 20% der Studien). Was das Alter betrifft, konzentrierten sich die meisten Studien auf ein Maximalalter von 16-17, nur 1/4 der Studien beschränkte sich auf ein Alter unter 14 Jahren.

Dabei zeigte sich folgende Verteilung der Häufigkeit von Kindesmissbrauch (gemäß studienspezifischer Definition):

Männliche Jugendliche 14%
Weibliche "" 27%

Zur Unterscheidung wurden 4 verschiedene Typen des Kindesmissbrauchs nach Grad der Intimität unterschieden:

1. Geschlechtsteile herzeigen (Exhibitionismus)
2. Fummeln (Berühren, Masturbation)
3. Oraler Sex
4. Geschlechtsverkehr

Diese 4 Typen des Kindesmissbrauch verteilen sich wie folgt:

| 1 2 3 4
---------+------------------
weiblich | 32% 39% 3% 13%
männlich | 22% 51% 14% 33%
---------+------------------
gesamt | 28% 42% 6% 17%

Verteilung des Kindesmissbrauchs nach Verwandtschaftsnähe: engere vs weitere Verwandtschaft:

Wider Family Kindesmissbrauch College (a)
Wider Family Kindesmissbrauch National (b)
Close Family Kindesmissbrauch College (c)
Close Family Kindesmissbrauch National (b)

% a b c d
-----------------------
female 37 34 20 15
male 23 13 8 4
-----------------------
combined 35 26 16 11

Die nationalen Daten wurden dagegengehalten, um die statistische Güte der benutzten Studien einzuschätzen; es zeigt sich, dass die Studien einen leicht höheren Anteil von Kindesmissbrauch offenbarten als die nationalen Studien.


Größe des Zusammenhangs zwischen Kindesmissbrauch und psychologischen Störungen

Über alle Studien hinweg fand sich zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Störungen eine schwache allgemeine Effektstärke von r = .09, die jedoch signifikant von 0 verschieden war. Dieser Wert bedeutet aber auch, dass Kindesmissbrauch für weniger als 1% der Varianz der psychischen Störungen zuständig ist. Die Autoren schreiben hierzu [meine Übersetzung]: "Die geringe unverzerrte Effektstärke besagt, dass in der College-Population die Größe des Zusammenhangs zwischen Kindesmissbrauch und psychischen Anpassung gering ist, was der Annahme widerspricht, dass Kindesmissbrauch typischerweise mit hohem Schaden verknüpft ist."


Die Ergebnisse im einzelnen:

Einzel-Symptom Effektstärke r
------------------------------------------------
Alkoholprobleme .07
Angst .13
Depression .12
Dissoziative Erfahrungen .09
Essstörungen (Bullimie) .06
Feindlichkeit .11
Interpersonale Empfindlichkeit .10
Kontrollverlust .04
Besessenheitsvorstellungen .10
Paranoia .11
Phobien .12
Psychosen .11
Selbstachtung .04
Sexuelle Anpassungsfähigkeit .09
Soziale Anpassungsfähigkeit .07
Somatische Beschwerden .09
Selbstmordabsichten .09
Allgemeines Wohlbefinden .12

Alle Effektstärken (außer Kotrollverlust) sind auf dem 5%-Niveau signifikant, jedoch erklärt Kindesmissbrauch kaum mehr als 1% der Varianz innerhalb eines bestimmten psychischen Verhaltensbereichs.
20.3.06 08:36
 


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