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Rind, die 2.

Studie von Rind et al, 2. Teil
Qualitative Literaturübersicht
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In den Medien wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass Kindesmissbrauch zu negativen Effekten der psychischen Anpassungsfähigkeit führt. Seligman (1994) beschreibt Kindesmissbrauch als "Vernichter der erwachsenen seelischen Gesundheit", und viele psychopathologischen Erscheinungen des Erwachsenenlebens wurden damit in Verbindung gebracht, vor allem das posttraumatic stress disorder sei eine solche Folgeerscheinung.

4 Vorwürfe werden vor allem erhoben:

- Kindesmissbrauch verursacht Schäden (Kausalität)
- diese Schäden durchdringen die gesamte Persönlichkeit eines Missbrauchsopfers (Effektivität, pervasiveness)
- diese Schäden sind stark (Intensität)
- und bei Mädchen und Jungen gleichermaßen verteilt (Geschlechtsneutralität).

Der Begriff des Kindesmissbrauchs ist problematisch, da er zwei Elemente miteinander vermengt:

- Missbrauch als Verletzung, der durch die sexuelle Aktivität selbst hervorgerufen wird
- Missbrauch als Verletzung einer sozialen Norm bzw eines Gesetzes.

So wird Kindesmissbrauch unterschiedslos als Bezeichnung etwa einer Vergewaltigung eines 5jährigen Mädchens durch ihren Vater und einer einvernehmlichen sexuellen Beziehung zwischen einem 15jährigen Jungen und einem Erwachsenen verwendet, wobei nur das erste Beispiel wirklichen Schaden verursacht. Trotz dieser terminologischen Schwächen wurde der Begriff „Kindesmissbrauch“ in dieser Studie beibehalten, weil er auch in den betrachteten Studien verwendet wurde. Kindesmissbrauch wird demnach definiert als:

„als sexuelle Interaktion, die entweder physischen oder keinen Kontakt impliziert (zB Exhibitionismus) zwischen einem Kind / Jugendlichen und jemandem bedeutend älteren, oder zwischen Gleichaltrigen, die Kinder oder Jugendliche sind, sofern Zwang im Spiel ist.“ (p23)


Qualitative Literaturübersicht
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Kausalität

Mehre Studien ordnen dem Kindesmissbrauch eine kausale Wirkung auf psychische Probleme des Erwachsenenlebens zu, allerdings argumentieren sie ins Blaue hinein und berücksichtigen Drittvariablen wie den familiären Hintergrund nicht.


Effektivität

Unter Effektivität soll die Annahme verstanden werden, dass Kindesmissbrauch auf die meisten Beteiligten Auswirkungen hat.

Verschiedene Studien zeigen unterschiedliche Wirkungen von Kindesmissbrauch. Constantine (1981) sowie Beitchman et al (1991) sprechen sogar davon, dass es keine konsistente Menge von Reaktionsmustern auf Kindesmissbrauch gibt und dass die negativen Effekte, die in manchen Studien auftauchen, darauf beruhen, dass sie aus klinischem Material gewonnen wurden (d.h. bei ambulanten oder stationären Patienten), dort aber ausschließlich Leute mit psychischen Problemen behandelt werden.

Es gibt allerdings eine Reihe von Forschern, die negative Wirkungen von Kindesmissbrauch behaupten:

1. sie vermuten Korrelationen zwischen Kindesmissbrauch und verschiedenen psychischen Symptomen
2. fehlen diese negativen psychische Symptome bei Opfern von Kindesmissbrauch, so vermuten sie, dass diese erst noch ausbrechen. Sie folgern daraus, dass negative Symptome immer ausbrechen müssen, auch wenn sie nicht beobachtet werden. [Anm von mir: aha!]
3. sie weisen nicht auf die Begrenztheit klinischer Studien hin


Intensität

Es gibt Studien, die nahezu keine psychischen Unterschiede zwischen Menschen mit Kindesmissbrauch-Erfahrung und ohne feststellen, andere sehen keine negativen Effekte in nicht-klinischen Populationen. Wieder andere verweisen auf "extremen psychischen Stress", "klare schädliche Effekte" wie Posttraumatic Stress Disorder und Selbstverstümmelung.


Geschlechtsverteilung

In manchen Studien wurde festgestellt, dass Mädchen eher negativ reagieren als Jungen, die wiederum neutrale oder positive Einstellungen zu ihrem sexuellen Missbrauch äußern. Andere Studien sprechen von gleichen Wirkungen bei beiden Geschlechtern und nennen die These, dass Jungen weniger stark beeinträchtigt sind, einen Mythos.


Zusammenfassung der qualitativen Analyse

Die Zusammenstellung zeigte unterschiedliche Ansichten der Kausalität sowie unterschiedliche vermutete Folgen der Kindesmissbrauch. Es zeigt sich aber auch eine statistische Verzerrung der Samples:

1. qualitative Literaturüberblicke basierten bislang meist auf klinischen oder kriminologischen Studien, die jedoch für die Gesamtheit der Menschen mit einer Kindesmissbrauch-Erfahrung nicht repräsentativ sind
2. In einer Studie von Okami (1991), in der verschiedene Populationen (klinische und nicht-klinische) betrachtet wurden, konnte gezeigt werden, dass diejenigen Personen, die negativ auf ihre Kindesmissbrauch-Erfahrung reagierten, vor allem dann auch psychische Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen, sofern sie auch in klinischer Behandlung waren. Dieses Ergebnis führt im Endeffekt zu sehr starken statistischen Verzerrungen, sobald nur klinische Studien herangezogen werden.
3. Klinische Patienten suchen nach Ursachen, die ihre seelischen Probleme erklären können, und attribuieren sie mit Vorliebe auf ihre Kindesmissbrauch-Erfahrung, darin werden sie unterstützt von Therapeuten, die ebenfalls im Kindesmissbrauch die Ursache seelischen Leids sehen und dadurch ihre Erwartungen an die Patienten weitergeben.
4. Eine qualitative Metaanalyse ist sehr anfällig für subjektive Wertungen und daher mit Vorsicht zu genießen.
18.3.06 09:23
 


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